Gedenkstein im Ghetto Theresienstadt
Schüleraustausch Bornheim-Prag 2012

Der 9. November 1938 und die schwierige Erinnerungskultur in Zeiten von Corona

Seit über zehn Jahren beteiligten sich die Vorgängerschulen der Heinrich Böll Gesamtschule (Sekundarschule und Franziskusschule) mit Recherchearbeiten, Zeitzeugeninterviews sowie mit künstlerisch-musikalischen Beiträgen  an den Gedenkfeiern der Stadt Bornheim zur Pogromnacht am 9. November 1938 oder gestalteten sie selbst wie zuletzt 2018, dem 80. Jahrestag der Pogrome, in würdigem Rahmen und zugleich deutlichem Gegenwartsbezug vor der gesamten Schulgemeinschaft.

Auch dieses Jahr sollte wieder in enger Zusammenarbeit mit Bornheims Stadtarchivar Jens Löffler, der Heinrich Böll Gesamtschule, den anderen weiterführenden Schulen und Jugendeinrichtungen am Ort dieses unsäglichen Geschehens im November 1938 gedacht werden, in dem über 1400 Synagogen, Gebetshäuser, Friedhöfe und andere jüdische Einrichtungen zerstört, Hunderte jüdische Mitmenschen ermordet und bereits am 10. November über 30.000 Juden in Konzentrationslager deportiert wurden. Bereits die Vorbereitungen waren jedoch von Ungewissheit angesichts der Pandemie begleitet, schließlich musste das gesamte Projekt abgesagt werden.

Bilder aus den Gedenkfeiern der Jahre 2007 – 2019.

Sich an diese Ereignisse zu erinnern, deren Umstände, die hasserfüllten, zugleich kalt berechnenden Täter und vor allem die letztlich unbeschreiblichen, in den Holocaust führenden Folgen für die Menschen jüdischen Glaubens noch einmal – soweit das in einem solchen Rahmen überhaupt möglich ist – zu beleuchten, sollte als klares Bekenntnis für ein friedliches, empathisches Miteinander in demokratischem Geist und gegen jede Art von Rassismus oder Antisemitismus verstanden werden.

Zunehmender Antisemitismus

Bochum – Ausstellung jüdischer Sportler (Quelle: www.derwesten.de), zum Teil zerstört am 9.11.2020!

An Gegenwartsbezügen fehlt es leider in den letzten Jahren keineswegs. Aktuellstes Beispiel: An diesem 9. November 2020 zerstörten Unbekannte in Bochum Teile der Ausstellung herausragender jüdischer Sportler, die bis zur ihrer Verfolgung durch die Nazis Weltmeister, Rekordhalter und Olympiasieger waren.

Tatsächlich belegen Studien (Heitmeyer, Bernstein u.a.) sowie Medienberichte der jüngeren Vergangenheit  wieder zunehmende antisemitische Tendenzen – von subtilen Diffamierungen bis hin zu physischer Gewalt gegen Juden. In diesem Zusammenhang möchten wir aktuell auf den am 09.11.2020 im ZDF gesendeten Film „Das Unwort“ (u.a. mit Iris Berben) hinweisen, der Antisemitismus in Schulen thematisiert (https://tinyurl.com/y5codxu4)

ZDF - Das Unwort (Quelle: www.zdf.de)

ZDF – Das Unwort (Quelle: www.zdf.de)

Das folgende Video zeigt historisches Filmmaterial aus jener Zeit vor der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, die aufgrund der unzähligen zerbrochenen Glasscheiben auf den Straßen auch „Kristallnacht“ genannt wurde. In Bornheim zerstörten SA-Schergen am Morgen des 10. Novembers die hiesige Synagoge.

(Zur Quelle siehe hier: https://lingua-video.com/p/histoclips-online-portal)